Der Gegensatz zwischen Geld und Religion sowie Reichtum und Verzicht
Gegensatz zwischen Geld und Religion sowie Reichtum und Verzicht | © sondem @ Shutterstock.com

Der Gegensatz zwischen Geld und Religion sowie Reichtum und Verzicht

“Sobald die Menschen dem Reichtum einen Einfluss auf ihr Inneres gestatten, verfallen sie dem Übermut und dem Hochmut. Sie kommen sich dann gerade so vor, als ob sie im Besitz aller nur erdenkbarer Vorzüge wären. Denn der Reichtum ist gleichsam ein Maßstab für den Wert aller Dinge.” (Aristoteles)

Dieser unversöhnliche Gegensatz zwischen Geld und Geist, zwischen Reichtum und Verzicht, ist tief im abendländischen Denken verwurzelt und lässt sich in unserem Kulturkreis bis in die Antike als Ideal zurückverfolgen, wie man dem Zitat des großen Philosophen Aristoteles entnehmen kann. Die Idee des einfachen Lebens und die Lebensphilosophie der Genügsamkeit sind uralt und im westlichen und östlichen Kulturkreis schon ewig als Ideal vorhanden. Man denke nur an den genügsamen Diogenes in seiner Tonne

Reichtum als Gefahr für die menschliche Seele

Auch in der christlichen Religion haftet dem Reichtum das Stigma eines Zustandes ohne Erlösung, voller Gefahr für die Seele und keineswegs als ein Symbol, das Glück bringt an. So steht schon im Matthäusevangelium, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in den Himmel komme und in der Bergpredigt, dass man nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen kann. Denn wer sein Ich einer fremden Macht unterordnet, nämlich König Mammon, wird nie frei sein.

Interessant ist, dass dieser König Mammon im Alten Testament als ein gefallener Engel gilt, als der personifizierte Besitz von Vorräten und damit an materieller Energie. Durch das ganze Alte Testament zieht sich wie ein roter Faden der Gedanke, dass Reiche, die ihren Besitz nicht mit den Armen teilen, verurteilt werden. Verworfen wird aber nicht der Reichtum als solcher, sondern nur der geizige, kaltherzige und wucherische Reiche, der sich in satter Selbstzufriedenheit von Gott und den Mitmenschen abwendet.

Jesus forderte seine Jünger auf, Hab und Gut zurückzulassen, alles hinter sich zu lassen und mit ihm das Leben eines einfachen Wanderpredigers zu führen, der sich von dem ernährt, was ihm die Menschen schenken. So legt der Apostel Paulus allen Gläubigen die Mahnung ans Herz: Wir haben nichts in die Welt gebracht und werden auch ohne Zweifel nichts mitnehmen. Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, so seien wir zufrieden!

Wer reich sein will, fällt laut Bibel leicht in Versuchung und in viele unnütze und schädliche Gelüste, welche den Menschen in den Untergang und die Verderbnis stürzen. Reichtum sollte gehasst und weggegeben werden, ansonsten wäre dem Reichen das Himmelreich versagt. Der Grund liegt in der außerordentlichen Selbstliebe der Menschen, die im Drang nach Sein und Leben wurzelt und Reichtum macht eben auch Spass, hat er doch mit Luxus, Fülle und Überfluss zu tun…

Vielleicht wird deshalb in der Bibel die große Bedeutung des Schenkens betont und durch seine häufige Erwähnung unterstrichen. Den fröhlichen Geber hat Gott lieb (2,Kor 9,7) er kommt niemals in die Versuchung Steine statt Brot zu geben (Math 7,9), er klammert sich nicht an die Dinge dieser Welt- er kann sie leicht weggeben und wird bereichert durch die Freude, die er bereitet und es bewahrheitet sich an ihm, dass Geben seliger denn Nehmen ist (Apg 20,35).

Das Christentum – Eine Religion des Teilens?

Seit den Anfängen der christlichen Zeitrechnung führten in der Nachfolge Jesu fromme Eremiten und Einsiedler ein Leben, das auf Armut und Verzicht basierte, oft bis zur extremen Selbstkasteiung.

Sie fasteten und beschränkten sich in ihrer Ernährung auf ein paar einfache Lebensmittel. Sie wuschen sich nicht, trugen nur Lumpen, schliefen auf dem nackten Erdboden und leisteten auf alle erdenklichen Arten von Verzicht, indem sie beispielsweise nur verdorbene Lebensmittel aßen. Heilige und Weise, auch Ordensstifter wie Franz von Assisi nahmen im christlichen Mitteleuropa das Gebot der Armut ernst und führten ein entbehrungsvolles Leben. Einfachheit und Verzicht gehörten selbstverständlich zu einem frommen Lebenswandel und zum Ideal der Lebensführung in Klöstern.

Dass der gelebte Alltag nicht immer diesen Geboten entsprach, ist allerdings auch Realität. Vielfach wurden Klöstern reich, deren Mönche und Nonnen in persönlicher Armut leben sollten. Oft breiteten sich Wohlleben und Bequemlichkeit aus, es wurde gut gegessen und getrunken. Obwohl das frühe Christentum eine Religion des Teilens war, wuchs die weltliche Macht der Kirche ins Unermessliche. Schätze an Land und Geld wurden der Kurie überschrieben und ihr zu treuen Händen anvertraut.

Ist der Konflikt ums Geld historisch anerzogen oder liegt er in unserer Natur?

Dieser Konflikt, dass übertriebener Reichtum abgelehnt wird, aber auf der anderen Seite gleichzeitig eine große Sehnsucht von vielen Menschen ist, durchzieht auch unsere – ich nenne es mal post-christliche Gesellschaft – auf vielen Ebenen und erinnert mich an ein italienisches Sprichwort, das übersetzt heißt: zwischen dem was jemand sagt und tut, liegt das Meer.

“Über den Gegensatz zwischen #Geld und #Geist, zwischen #Reichtum und #Verzicht. “

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Liegt dieser Konflikt zwischen Überschwang, Überschuss und Übertreibung einerseits und Verzicht und Sparsamkeit in der Natur unseres Seins?

Bei immer mehr Menschen wächst auch heute die Einsicht, dass materielle Orientierung und Befriedigung aller Konsumbedürfnisse nicht Glück und Befriedigung bringen, sondern auf Dauer die Menschen der Glücksfähigkeit berauben. Auch heute wird Geld einerseits glorifiziert und andererseits abgelehnt.

Geld ist die einzige Sache, die ihre Qualität alleine an der Quantität bemisst

Der Philosoph Richard David Precht äußert sich folgendermaßen zum Thema Geld:

Geld vernichtet alle Werte, weil es außer sich selbst keinen Wert anerkennt…
Geld ist aber auch die einzige Sache, die ihre Qualität alleine an der Quantität bemisst.
Es ist in sich Mittel und Zweck und ebnet alles ein.

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