Ein immer wiederkehrendes Thema: Das Geld und die Liebe
Ein immer wiederkehrendes Thema: Das Geld und die Liebe | © Wallenrock @ Shutterstock.com

Ein immer wiederkehrendes Thema: Das Geld und die Liebe

Die meisten Menschen, die nie über das Thema Geld und Liebe nachdenken, gehen davon aus, dass Geld und Liebe eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Es gibt auch meines Wissens nur eine wissenschaftliche (soziologische) Untersuchung, die sich mit dem Zusammenhang von Geld und Liebe beschäftigt. Als Expertin für Geld, will ich im folgenden Artikel einen kurzen Einblick in dieses komplexe Thema geben, auf das ich in meinem Buch “Geld oder Leben” ausführlich eingehe.

Erst gibt sich jeder großzügig, dann ist Geld plötzlich Streitthema Nummer eins

Am Anfang einer Liebe spricht man kaum über Geld – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – zumindest nicht über das Geld, über das der Partner verfügt oder nicht verfügt. Jeder gibt sich großzügig. Über diese Großzügigkeit will man den Partner, die Partnerin gewinnen und sich in einem guten Licht zeigen. Denn wer in Geberlaune ist, wirkt meist verführerischer als jemand der schon beim ersten Treffen darauf achtet die Rechnung zu teilen oder sich auf eine Tasse Tee beschränkt, um Geld zu sparen.

In diesem Zusammenhang hat mir eine junge Frau von einem ersten Date erzählt, bei dem der junge Mann verlangte, dass sie sich an den Kosten für die gemeinsame Mineralwasserflasche beteiligen solle. Ich muss nicht erwähnen, dass die beiden sich nie wieder sahen. – Aber diese Geschichte hat wahrscheinlich eher mit dem Thema Geiz zu tun.

Am Anfang einer Beziehung geht es also wenig ums Geld. Am Ende einer Beziehung, besonders bei einer Scheidung, geht es oft nur noch um das Regeln der finanziellen Angelegenheiten, was nicht selten zum Ausbruch von gegenseitigem Hass führt.

Zwischendrin wird in Beziehungen viel über Geld gestritten. Ist das wirklich so?

Eines ist sicher: in länger dauernden Beziehungen wird über kein Thema so ausufernd gestritten, wie über finanzielle Probleme. Erst an zweiter Stelle steht sexuelle Unzufriedenheit.

Der Beginn einer Liebe, die Verliebtheit, das Verschmelzen haben angeblich nichts mit Einkommen und Besitz zu tun. Das bezweifle ich: Von Anfang an wird auch heute gecheckt, was uns ein potentieller Partner so bieten kann. Hierfür habe ich in meinen vielen Gesprächen, die ich (vor allem) gerade mit jungen Menschen geführt habe, zahlreiche Beispiele bekommen.

Selbst wohlhabende und erfolgreiche Frauen sind auf Geschenke erpicht

In einem Café in einer der teuersten Straßen Münchens, lernte ich eine junge und sehr attraktive Unternehmensberaterin kennen, die zwischen Rio de Janeiro und München hin und her pendelt.

Zufällig kommen wir auf das Thema “Männer” und in dem Zusammenhang auch auf “Geld” zu sprechen, zwei Themen, die für sie untrennbar miteinander verbunden sind. Dabei gibt sie mir gegenüber ganz offen zu, dass ein Mann, der nicht wohlhabend sei und ihr nichts bieten könne, niemals eine Chance bei ihr haben würde. So wie sie würden alle jungen erfolgreichen Frauen denken, die sie kennt. “Männer müssen einem etwas bieten können. Männer ohne Geld wären ein No-go! Sie und ihre Freundinnen würden grundsätzlich vor jedem Date versuchen heraus zu finden, wo der “Kandidat” auch finanziell steht…

Spiegelbildlich haben mir in meinen Gesprächen übers “Geld” zahllose junge Männer bestätigt, dass Frauen unglaublich darauf erpicht seinen Geschenke und Essenseinladungen zu bekommen. Es sei äußerst selten, dass eine gut verdienende Frau auchmal einen Mann einladen würde.

Früher machte die Versorgungsehe Sinn. Aber heute?

Warum kann man sich als Frau nicht einfach in die wunderschönen Augen des attraktiven Hausmeisters verlieben? Als Akademikerin nicht in die Arme des starken, muskulösen, aber viel ärmeren Handwerkers fallen? Oder als Lehrer um die Nachtclubtänzerin werben, die einen attraktiven Körper hat?
Ich denke, dass diese Beziehungen wenig Zukunft haben werden, weil es auch heute unausgesprochen in Liebesbeziehungen mitunter immer ums Geld geht.
Werfen wir doch mal kurz einen Blick in die Geschichte:

Früher, bevor uns das Zeitalter der Romantik und der ausgehenden Klassik die Liebesehe beschert hat, wurden Ehen grundsätzlich aus machtpolitischen und aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen, der Zugewinn von Geld und Vermögen stand im Vordergrund.

Dies geschah aus zwei Gründen: Zum einen war die Versorgungsehe gang und gäbe wegen der häuslichen Arbeitsaufteilung. Die Frau bekam Kinder, sorgte sich um Haus und Hof, während der Mann das Geld nach Hause zu bringen hatte. Damit lag es nahe, dass Frauen, aber auch Männer mit geringem Einkommen, nur solche Partner auswählten, die genug verdienten oder genug Eigentum besaßen, um sie zu
versorgen. Ehen, die aus Liebe geschlossen wurden, waren unüblich.

Ist die bedingungslose Liebe nur ein Ammenmärchen?

Auch heute geht es am Anfang einer Liebesbeziehung darum, auszuloten was einem der Andere so bieten kann.
Die Ehen, die früher typisch waren: Der Arzt heiratet Krankenschwester und der Chef seine Sekretärin, gibt es nur noch selten. Immer mehr Frauen verdienen mit und Männer begegnen ihnen auf Augenhöhe und lieben sie, obwohl sie erfolgreich sind.
Aber haben sich die Rollenstereotype wirklich komplett verändert? Ich denke, dass es noch ein langer Weg dorthin ist.

Was ist mit all den jungen Frauen, die auf der Suche sind nach wohlhabenden Männern, die ihnen einen Porsche Cayenne zur Verfügung stellen, um die gemeinsamen Kinder in den Musikunterricht zu fahren?
Wie kann man sich als Mann sicher sein, dass sich die attraktive junge Frau wirklich in seinen Charme, seine grauen Schläfen und seinen Humor verliebt hat und nicht auch in die Sicherheit, die ein gut gefülltes Konto eben mit sich bringt?

Nein, diese Männer, die ihre Frauen zwar mit einem schicken Porsche Cayenne zum Einkaufen schicken, sie aber vielleicht ansonsten emotional, als Mensch nicht wahrnehmen, können sich nicht sicher sein, dass sie NICHT hauptsächlich für ihren Besitz und den Status, der sich daraus ergibt, geschätzt werden.

Sklavenhaltung mittels Ehevertrag?

Anwälte, die Eheverträge aufsetzen, können davon erzählen. Beispielsweise will sich da ein Manager von seiner zukünftigen Frau versichern lassen, dass sie nie über 52 kg wiegen wird. Ein anderer will sich zusichern lassen, dass seine Frau jeden Tag mit ihm schlafen wird und dass sie ihn NIE fragen wird, wann er von wo auch immer nach Hause kommen wird. Moderne Sklaverei? Oder eben ein Deal unter Gleichberechtigten? Es gibt einen Satz von Adorno, der mir sehr gefällt: Man wird nur dort wahrlich geliebt, wo man Schwäche zeigen kann, ohne Stärke zu provozieren.

  • Wer hat von uns denn nicht diesen Wunsch um seiner selbst geliebt zu werden und nicht wegen Äußerlichkeiten oder materieller Vorzüge?
  • Aber gelten in unseren Zeiten des Turbo-Kapitalismus solche romantischen Vorstellungen überhaupt noch?
  • Gibt es zwischen zwei Menschen die wahre Liebe, die frei ist von Hintergedanken?

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