Geiz und Reichtum: Verschwistert oder verschwägert?
Geiz und Reichtum: Verschwistert oder verschwägert? | © Fernando Cortes @ Shutterstock.com

Geiz und Reichtum: Verschwistert oder verschwägert?

Der Duden beschreibt Geiz als übertriebene Sparsamkeit. In der Bibel gehören Geiz und Habsucht, dort als “avartia” bezeichnet, zu den sieben Todsünden. Der geizige Mensch vermeidet, unabhängig von seiner wirtschaftlichen Lage, die Herausgabe von Gütern und Geld. Er ist das Gegenteil von großzügig.

Ich habe in meinem Buch “Geld oder Leben” die These aufgestellt, dass man mit Geld so umgeht, wie man mit Gefühlen im allgemeinen umgeht und dies trifft besonders auf den Geiz zu.

Drei Arten von Geiz konnte ich unterscheiden:

  • Menschen, die sich selbst und auch allen anderen gegenüber geizig sind
  • Menschen, die sich selbst gegenüber großzügig sind und geizig, was ihre soziale Umgebung betrifft
  • Menschen, die sich selbst nichts gönnen und allen anderen gegenüber großzügig sind

Ob jemand geizig ist, liegt meistens an seiner Erziehung

Hinter dem Thema Geiz steht das Thema Geben und Nehmen. Die Einstellungen zu diesen Themen werden in der Kindheit von den eigenen Eltern vorgelebt, die zeigen, wie man mit Gefühlen und Dingen umgeht. Hinter dem geizigen Verhalten, das sich auch auf Gefühle, Zärtlichkeit, Lob, Anerkennung, Liebe beziehen kann, stehen meist Menschen, die auch trotz ihres Geldes von innerlichen Mangelgefühlen besetzt sind. Es gibt einige Einstellungen, die geizige Menschen charakteristisch teilen: Sie haben Angst zu verarmen. Meist betrifft dies die Generation der älteren Menschen, die noch den 2.Weltkrieg erlebt haben und manche Erfahrungen der Not und des Mangels nie überwinden konnten.

Auch Menschen die selbst in Familien aufgewachsen sind, die mit Schulden, finanzieller Not und dementsprechenden Streitigkeiten aufgewachsen sind, neigen eher dazu, ihre Ausgaben zu kontrollieren. Für sie bedeutet Geld Sicherheit.

Viele, die sich selbst gegenüber geizig sind, haben das Gefühl, sich nichts gönnen zu dürfen. Sie haben Angst, sich zu verlieren, sie müssen sich selbst kontrollieren. Bei manchen Menschen liegt die Angst vor maßlos zu sein, wenn sie unnütz Geld ausgeben. Geld zu besitzen ist wichtiger als Genuss, Spaß und spontane Lebensfreude.

Obwohl es in der Werbung als “geil” gilt, geizig zu sein, kann man sagen, dass es in Wirklichkeit eher deprimierend ist, mit Geizhälsen umzugehen, egal ob sich das auf finanzielle Aspekte bezieht, oder ob es um Gefühle geht.

Wir sehen es meist als eine negative Eigenschaft an, wenn wir einen Menschen als geizig bezeichnen. Genauso ist es mit dem Neid. Allerdings gibt es kaum Menschen, die sich selbst als geizig oder neidisch bezeichnen.

Ingvar Kamprad: Der Dagobert Duck der Möbelbranche

Ingvar Kamprad, Jahrgang 1926, IKEA Gründer, ist stolz auf sein Image als Geizkragen. ”Ich bin knauserig und ich bin stolz auf meinen Ruf”, sagt der Multi-Milliardär. So plane er derzeit keine weiteren Spenden, nachdem er die Kunsthochschule in Lausanne mit 500.000 Schweizer Franken unterstützt hat. Kamprad ist für seine Sparsamkeit bekannt. Er fährt einen 17 Jahre alten Volvo und kauft nach eigene Angaben gerne Sonderangebote. 1943 legte der Schwede mit der Gründung der Firma IKEA den Grundstein für seinen Reichtum. Heute ist er laut Forbes Liste einer der reichsten Männer der Welt.

Wie kann es sein, dass ein so reicher Mensch Probleme damit hat, seinen Besitz mit anderen zu teilen und sich selbst ein neues Auto zu gönnen?
Eigenartigerweise ist es sehr oft verbreitet, dass gerade wohlhabende Menschen weder sich noch anderen gegenüber großzügig sind, und gerade reiche Menschen leben in ständiger Angst um ihr Vermögen. Tatsächlich dominieren Sorgen das Leben von vielen Millionären. Thomas Druyen, einer der bekanntesten Reichtumsforscher betont, dass selbst Multimilliardäre in zweiter oder dritter Generation von Verlustängsten gesteuert werden und halten dementsprechend ihr “Geld zusammen”.

Geiz ist eben nicht geil

Natürlich gibt auch die Gesellschaft vor, dass reiche Menschen mehr Macht und Anerkennung bekommen als arme Menschen und wieviel Geiz normal ist, hängt immer von den Werten ab, die wir teilen. Geiz muss nicht nur Genussfeindlichkeit und das Streben nach Besitz bedeuten, man kann ihn auch positiv sehen, wenn es um das behutsame Umgehen mit Ressourcen geht.

“Warum #Geiz nicht #geil ist – und welche Rolle #Reichtum spielt.“

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Geiz ist nicht wirklich geil, da gute Produkte auch ihren Preis haben. Wenn wir beispielsweise wenig Geld für billige Kleidung ausgeben, bezahlen in der Regel Arbeitskräfte in Indien oder China mit schlechten, oft lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen einen sehr hohen Preis…

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