Macht ein Lottogewinn glücklich?
Macht ein Lottogewinn glücklich? | © Ollyy @ Shutterstock.com

Macht ein Lottogewinn glücklich?

Nach einem hohen Lottogewinn befinden sich die Lottokönige für eine Weile in einem seelischen und körperlichen Ausnahmezustand. Das Herz rast und der Körper setzt Stresshormone frei. Die Gewinner sind im siebten Himmel und der Glückseffekt ist sehr groß. Tausende Gedanken rasen dem Lottogewinner durch den Kopf:

  • Was kaufe ich zuerst?
  • Haus, Boot, Auto oder soll ich doch unerkannt weiterleben wie bisher?
  • Mit wem kann ich mein Glück teilen?

Was droht, ist die Überforderung mit der Situation und totaler Kontrollverlust

Zuerst einmal muss die Situation seelisch bewältigt werden, wobei die Reaktionen der Gewinner von überwältigender Freude bis zu depressiven Verstimmungen reicht.

Auf alle Fälle wird sich das Leben der Gewinner komplett ändern und neue Lebensziele müssen entwickelt werden. Die meisten Menschen sind in dieser Situation schlichtweg überfordert und brauchen einen Coach, der sie begleitet, wenn nicht sogar einen Psychologen.

“Ein #Lottogewinn heißt auch, neue Lebensziele entwickeln zu müssen.“

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Ein Jahr nach dem Gewinn setzt meist ein Gewöhnungsprozess ein und der Maßstab dafür, was ein glückliches Leben ist, verschiebt sich. Alltägliche Dinge wie Fernsehen, Freunde treffen, mit der Familie Zeit zu verbringen wird nicht mehr so als beglückend erlebt wie noch vor dem Gewinn. Der Grund dafür ist, dass sich das Anspruchsniveau verändert hat. Somit hat sich der Glückseffekt des Gewinns quasi wieder aufgehoben.

Deshalb versuchen die Glücksboten der Lottogesellschaften die Gewinner schonend auf ihren großen Gewinn vorzubereiten: Entscheidend ist es hier weder in der Familie noch im Bekanntenkreis vom “Glücksfall” zu erzählen, denn sonst sind die Gewinner mit dem Neid ihrer Freunde konfrontiert, von “neuen Freunden” ganz zu schweigen und nicht zuletzt von Anlageberatern, die nur das Beste für sie (und sich selbst) wollen.

Wer trotz Geld und Lottogewinn glücklich werden will, muss sich mäßigen

Experten der Lottogesellschaften raten dringend nicht dem Kaufrausch zu verfallen, denn wenn der Opel vor der Türe plötzlich von einem Porsche abgelöst wird, fällt dies allen Nachbarn auf.

In der 50-jährigen Geschichte des deutschen Lottos gab es immerhin rund 4200 Millionengewinner. Die meisten gingen wohl vernünftig mit ihrem Gewinn um, das heißt, sie versuchten das Geld so in ihren Alltag zu integrieren, dass sie ihr Leben nicht wirklich änderten. Es gibt aber auch Gewinner wie den Sozialhilfeempfänger Lothar, der 1994 umgerechnet fast zwei Millionen Euro gewann. Er kaufte sich einen teuren Volkswagen, feierte rauschende Partys und gab einen Großteil seines Geldes nach kurzer Zeit aus. Fünf Jahre nach seinem Millionengewinn war er tot und seine Frau und seine Freundin stritten sich um das Erbe.

Fast jeder Mensch sucht sein Glück in größerem Wohlstand, doch die Forschung hat längst gezeigt, dass Reichtum das Leben nicht unbedingt bereichert. Man darf wirtschaftliche Sicherheit als Quelle von Zufriedenheit auf keinen Fall unterschätzen. Wer ständig Existenzängste hat, weil das Geld zum Leben nicht reicht, ist sicherlich unglücklich. Geld ist wichtig um Sicherheit herzustellen, am sozialen Leben teilzunehmen und um sich Träume zu verwirklichen. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Geld und Glück nicht linear.

“Das Verhältnis zwischen #Geld und #Glück ist nicht linear.“

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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ab einem gewissen Einkommen mehr Geld nicht zufriedener macht.

Geld macht nur glücklich, bis der Gewöhnungseffekt einsetzt

Die Grenze liegt hier knapp unter dem durchschnittlichen Jahreseinkommen des Landes, in dem man lebt. Wer mehr anhäuft und seinen sozialen Status erhöht, vergrößert weder die Zahl seiner Glücksmomente noch seine Zufriedenheit. Auch bei Reichtum gibt es einen gewissen Gewöhnungseffekt. Seit Menschengedenken ist die Frage” wie kann ich glücklich sein?” immer wieder gestellt worden. Es liegt offensichtlich in der Natur der Sache, dass viele Menschen durch die Jahrhunderte hindurch nicht glücklich waren und dem Wesen des Glücks aus diesem Grund stets von Neuem auf den Grund gingen, indem sie nach Antworten suchten.

Glück bedeutet, wie ich auch in meinem Buch “Geld oder Leben” beschrieben habe, Lebensbejahung und die Fähigkeit wunderbare Augenblicke zu erleben. Das Glück liegt in jenen Momenten des Lebens, die frei sind von äußerem Zwang und Anreiz, und diese Momente lassen sich mit Geld nicht erkaufen.

  • Wie gelingt es uns das Leben zu bejahen und offen zu bleiben, Glücksmomente zu finden und zu erneuern?
  • Oder ist es eine Illusion ständig nach dem Glück zu suchen?

In Gesellschaften, in denen die Gemeinschaft mehr zählt, wie beispielsweise Japan, streben die Menschen nicht so sehr nach dem persönlichen Glück wie in unseren westlichen, sehr individualistisch ausgerichteten Gesellschaften. Vielleicht ist es auch illusorisch immer nur glücklich sein zu wollen. Einerseits weil dies ohnehin unmöglich ist, denn das Leben geht auch mit Unannehmlichkeiten, Leid, Schmerz und Verlusten einher – der Kehrseite des Glücks -, andererseits, weil sich kein Mensch wirklich weiterentwickeln würde, wäre er nicht mit eben dieser Herausforderung der Kehrseite konfrontiert.

Ein Lottogewinn macht ein Jahr lang glücklich, dann dominieren wieder die Sorgen des Alltages

Wie könnte man diese positive Zeit verlängern? – Indem man mit dem Geld Gutes tut, Stiftungen unterstützt und Armen hilft, denn nur ein Leben, das als sinnvoll erlebt wird, ist ein glückliches Leben. Die Einsicht, dass sich Glück nicht erjagen oder einfangen lässt, untersuchen Psychologen, Philosophen und auch Ökonomen unter dem Begriff “Glücksparadoxon”. Glücksparadoxon bedeutet, dass wer dauernd nach Glück strebt, unglücklich wird.

Anhaltendes Glück entsteht erst dann, wenn man über die nächsten Veränderungen und Ziele nicht mehr nachdenken muss, das heißt aus einem Zustand, indem man im Hier und Jetzt ist. Flow, nennt der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihayi diese Stimmung, die in der völligen Versenkung in einer Beschäftigung entsteht. Das sind Zustände, die mit dem Verwalten eines großen Vermögens nichts zu tun haben.

Auch Reiche haben Sorgen: sie haben Angst, ihr Geld zu verlieren

Der Soziologe Thomas Druyen, der als einer der renommiertesten Reichtumsforscher in Deutschland gilt, kann dies bestätigen: “Auch ein Millionenvermögen macht nicht glücklich. Früher dachte ich, wer reich ist, ist auch sorgenfrei, aber weit gefehlt… Tatsächlich reagieren Angst und Panik die Welt der Millionäre.

“Kann ein #Lottogewinn glücklich machen? #Geld #Lotto #Jackpot“

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Ein Leben in ständiger Sorge ums Geld… Seit der Finanzkrise 2008, in dem sich das gesamte Finanzsystem fast an die Wand gefahren hätte, ist auch den Reichen bewusst, dass ihr Vermögen nirgends sicher ist, da es keine risikolosen Anlagen gibt. Ich kann Thomas Druyens Eindrücke durchaus bestätigen, da ich viele Reiche kennegelernt habe, die in ständiger Sorge leben.

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