Der Frust mit den Reichen
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Der Frust mit den Reichen

Etwa 20 Millionen Deutsche spielen jede Woche Lotto, geben dafür viel Geld aus und fiebern jeden Samstag der Ziehung der Lottozahlen entgegen. Sie träumen damit den kollektiven Traum endlich reich zu sein, um ihr Leben ohne finanzielle Sorgen zu leben – nichts scheint so verführerisch zu sein wie großer Reichtum.

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Die Doppelmoral gegenüber dem Reichtum

Die Liebe zum Geld ist eine der mächtigsten und vielgestaltigen Triebfedern menschlichen Handelns. Fast jeder Mensch träumt von der materiellen Unabhängigkeit, die nur wenigen auf der Welt vergönnt ist. Die Vorstellung des Reichtums suggeriert ein Leben im Überfluss und die Erfüllung aller Wünsche. Wir alle kennen die Klischees: Traumreisen, Luxusautos, Yachten, schöne Häuser, schöne Menschen, Sorglosigkeit…

Die Attraktivität des Reichtums scheint allgegenwärtig, der Traum vom Reichtum bleibt unerschütterlich.

Die Welt der Schönen und Reichen

Aber ist die Welt der Schönen, Reichen und Berühmten nicht bloß eine medial erzeugte Illusion, die dazu dient, Auflagen zu steigern und Einschaltquoten zu sichern?

“#Reichtum ist nicht gleich Reichtum. Und der Umgang mit #Geld unterscheidet sich.“

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Diejenigen, die so offensichtlich ihren Reichtum zeigen, sind normalerweise Neureiche, wie wir sie aus einschlägigen Fernsehsendungen wie „Die Geissens“ oder Benefizveranstaltungen kennen. Dabei geht es oft nicht um die gute Tat, sondern darum, sich selbst darzustellen und wichtig zu sein.

Die Einsamkeit der Milliardäre

Die meisten der hundert deutschen Milliardäre meiden die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser, schon aus Gründen des Selbstschutzes. Oft leben diese Beneideten isoliert und zurückgezogen hinter hohen Hecken. Ein Beispiel waren die ALDI-Brüder, von denen seit den 80er Jahren keine Fotoaufnahmen mehr öffentlich existierten.

Das Bild vom bösen Reichen

Die meisten von uns wären gerne selber reich, haben aber zu den Reichen ihre ganz spezielle Meinung. Die Bewertungen gehen dabei von rückhaltloser Verehrung bis zu vernichtender Kritik. Meistens überwiegen Kritik und Neid. Reiche sind in unserem Land nicht wohl gelitten. Ein Zerrbild scheint dabei repräsentativ: der selbstsüchtige Superreiche, der wie Dagobert Duck in seinen Talern badet, ein Schmarotzer ist, der seinen Mitmenschen nichts gönnt und sich darum drückt, Steuern zu zahlen. Allerdings hat die herablassende Attitüde, mit der Manager ihre exzessiven Gehälter verteidigen, wahrscheinlich auch diese negative Sicht auf die Reichen mitbewirkt.

Die tatsächlichen Fakten sehen aber anders aus: Rund die Hälfte der Steuern, die in Deutschland eingenommen werden, zahlen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung. Etwa vierzig Prozent der Bürger, die ärmsten, zahlen keine Einkommenssteuer. Auch wenn es klar ist, dass internationale Konzerne dadurch Steuern vermeiden, dass sie ihren Sitz in Steueroasen verlegen, entspricht es den Tatsachen, dass deutsche Unternehmen ihre Steuerlast kaum mindern können, legale Tricksereien gibt es kaum mehr.

“#Schmarotzer, #Selbstsucht: Den bösen Reichen wird viel unterstellt.“

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Viele Besitzer mittelständischer Unternehmen sind genau jene Reiche, die Arbeitsplätze schaffen und darüber hinaus auch oftmals Geld für wohltätige Zwecke spenden. Dennoch ist die öffentliche Meinung von Linkspartei, Gewerkschaften, einer gewissen Presse eine andere: den Reichen wird grundsätzlich misstraut, sie gelten als Elite, die sich ihrer Aufgabe für das Gemeinwesen entzieht.

Im Namen einer selbstgefälligen sozialen Gerechtigkeit werden von den Umverteilern alle Register gezogen, über eine „Reichensteuer“ bis zur teilweisen Enteignung oder Vermögensabgabe, das Vermögen der Reichen sollte umverteilt werden.

Was sind die Gründe für diese Einstellung?

Ich denke zuerst einmal der Neid. Der Neider möchte, dass es den anderen nicht besser geht als ihm selbst und dies trifft ja augenscheinlich auf die Reichen zu: ihnen scheint es besser zu gehen und deswegen kann man sie nicht leiden. In Wirklichkeit beneidet man sie aber.

Eine andere Motivation Reiche grundsätzlich schlecht zu machen stellt die „Saure Trauben Politik“ dar: Was ich selbst nicht bekommen kann, ist schlecht. So wird der Abstand zu den Uneinholbaren kompensiert und man kann sich moralisch selbst aufwerten, man ist arm aber gut.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, vernünftig und sachlich über Reichtum zu reden und zu debattieren, um den Prozess der Entfremdung zwischen den Wohlhabenden und den Ärmeren zu durchbrechen. „Die“ Reichen gibt es nicht. Es gibt sicherlich Menschen, die nie genug bekommen, Heuschrecken, die danach trachten, ihr Vermögen ins Unermessliche zu steigern.

Die positive und dynamische Qualität von Reichtum

Vom Reichtum geht aber auch eine dynamische Qualität aus. Große Vermögen können zu positiven Zwecken eingesetzt werden, was schon die enorme Zahl von Stiftungen zeigt, die es in Deutschland gibt. 2014 waren es über 20.000. Hier müsste man von Seiten der Politik dafür sorgen, soziales Engagement zu bündeln und in die richtige Richtung zu lenken, um Synergien zu schaffen.

Woran es in unserm Lande noch manchmal mangelt, ist die Idee des sozialen Unternehmertums, nämlich gleichzeitig unternehmerisch und sozial zu handeln.

“Einbeziehen statt abwerten: Warum wir #Reiche für gemeinsame Ziele einbinden sollten.“

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Ohne das finanzielle Engagement der Höchstvermögenden werden wir zwingende Probleme der Zukunft nicht lösen können. So kann Armut nur mit einer Bildungsoffensive bekämpft werden und dazu brauchen wir die Reichen und ihr Engagement. Deswegen: Versuchen wir nicht ständig „die Reichen“ per se abzuwerten, sondern sie in ein gemeinsames Ziel einzubinden, nämlich die vielfältigen Herausforderungen, die die Zukunft mit sich bringt zu bewältigen und dazu brauchen wir ihr uneingeschränktes Engagement.

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